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6 Millionen Euro für weiteren Ausbau des Forschungsverbundes „Nachhaltiges Bauen und Ressourcenmanagement“


Tiefensee: Thüringen mit rund 300 Wissenschaftlern bester Standort für Forschung zu Bauersatz und Recyclingfragen

Anlässlich der heutigen Landtagsbefassung mit Engpässen bei Roh- und Baustoffen betont Wirtschafts- und Wissenschaftsminister Wolfgang Tiefensee einmal mehr das Potenzial, das Thüringen beim Baurecycling und -ersatzstoffen hat. Einen wichtigen Schwerpunkt bildet hierbei der Baustoff Gips: „Mit dem bis 2038 vorgesehenen Kohleausstieg und dem Wegfall von REA-Gips als Nebenprodukt der Kohlegewinnung steht die Entwicklung marktfähiger Gipsersatzstoffe weit oben auf der Agenda. Mit rund 300 Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen in vier Forschungseinrichtungen verfügt Thüringen über eine einmalige Forschungsdichte zum Thema. Damit leistet der Verbund einen wesentlichen Beitrag zur Wertstoffwende im Baubereich.“ Das Land baue seine Forschungskompetenzen in diesem Bereich bereits seit Jahren kontinuierlich aus. So wurde 2018 das Thüringer Innovationszentrum Wertstoffe (ThIWert) gegründet. Auch der Forschungsverbund Gipsrecycling besteht bereits seit mehreren Jahren; weitere 6 Millionen Euro sollen nun in den Ausbau des Verbundes sowie in Forschungsvorhaben zu Gipsrecycling und -ersatzstoffen fließen.

„Thüringen verfügt als wichtigstes Gipsabbaugebiet in Deutschland über praktische Expertise in diesem Bereich und hat in Nordhausen (Recycling) und Weimar (Ersatzbaustoffe) in den vergangenen Jahren erhebliche Forschungskompetenzen aufgebaut“, so Tiefensee. Im Rahmen des 2020 aufgelegten Maßnahmenpakets „Innovationspotenzial“ stelle das Land nun Gelder bereit, um die Kompetenz des Forschungsverbundes weiter zu stärken. Die Hälfte der Mittel fließt in vier kooperative Forschungsvorhaben, die sich mit Alternativen zum Abbau von Naturgips und dem Schließen der drohenden Versorgungslücke durch den Wegfall von REA-Gips beschäftigen und eng miteinander verknüpft sind, um so einen gesamtheitlichen Lösungsansatz zu erarbeiten. Drei Millionen Euro stehen für benötigte Forschungsflächen der Hochschule Nordhausen zur Verfügung. Hierbei ist geplant, bereits für das Thüringer Innovationszentrum Wertstoffe“ (ThIWert) angemietete Flächen zu erwerben.

Gut die Hälfte des Gipsbedarfs in Deutschland – rund sechs Millionen Tonnen – wird aktuell als Nebenprodukt (sog. „REA-Gips“) aus der Kohleverstromung in Kohlekraftwerken gewonnen, nur etwa fünf Millionen Tonnen werden in Steinbrüchen abgebaut. Mit dem geplanten Kohleausstieg bis 2038 wird künftig allerdings immer weniger REA-Gips zur Verfügung stehen. Vier Thüringer Forschungseinrichtungen – das F.A.Finger-Institut für Baustoffkunde (FIB) der Bauhaus-Universität Weimar, die Materialforschungs- und Prüfanstalt (MFPA) Weimar, das Institut für Angewandte Bauforschung (IAB) Weimar sowie das Thüringer Innovationszentrum Wertstoffe (ThIWert) an der Hochschule Nordhausen – stellen sich dieser Herausforderung im Rahmen des Forschungsverbundes „Ressourcenmanagement und nachhaltiges Bauen“ mit einer deutschlandweit einmaligen Dichte an Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen. Kernthemen sind etwa die Erforschung alternativer Baustoffe, die Entwicklung von Rückführungskonzepten und Recyclingverfahren, das Einsparen z.B. von Gips durch neue hybride Bauprodukte und die Funktionalisierung von Werkstoffen und Bauteilen sowie die natur- und landschaftsgerechte Gestaltung der Bergbaufolgelandschaften.

Derzeit könne der Gipsbedarf durch die Kohlestromversorgung und die bestehenden Reserven noch gut gedeckt werden. Das Land habe den Handlungsbedarf bereits frühzeitig erkannt und in die Forschung investiert, um die Wertstoffwende souverän zu meistern und etwa beim Gipsrecycling eine Vorreiterrolle einzunehmen, so Tiefensee. Seit 2018 entwickelt und testet das mit 6,5 Millionen Euro geförderte „Thüringer Innovationszentrum Wertstoffe“ (ThIWert) an der Hochschule Nordhausen in Kooperation mit der Bauhaus-Universität sowie dem Institut für Angewandte Bauforschung (IAB) in Weimar Technologien für eine nachhaltige Wertstoff- und Kreislaufwirtschaft. Darüber hinaus hat das Land den Forschungsverbund „Ressourcenmanagement und nachhaltiges Bauen“ in den letzten Jahren im Rahmen seiner Förderinstrumente maßgeblich unterstützt. Zudem konnten diverse Fördermittel der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und des Bundes – u.a. bei der BMBF-Initiative „WIR! Wandel durch Innovation in der Region“ für das Bündnis „Gipsrecycling als Chance für den Südharz“ – eingeworben werden. Auf einem erfolgreichen Weg im Rahmen der zweiten WIR-Förderrunde befindet sich darüber hinaus das von MFPA Weimar koordinierte Bündnis Ressourcenmanagement für nachhaltiges Bauen „renat-BAU“. Das Vorhaben wurde bisher für die Konzeptphase ausgewählt und bewirbt sich nun für die Förderung der Umsetzungsphase. „Diese Bundesförderungen hebeln die Landesinvestitionen um ein Vielfaches“, so Tiefensee.
 

Peggy Hoy
Stv. Pressesprecherin

 

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