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Mehr als 30 Millionen Euro für die Digitalisierung an den Thüringer Hochschulen – Kritik an geplanten Hochschulregelungen im Infektionsschutzgesetz des Bundes


Tiefensee: Auch im Sommersemester 2021 überwiegend digitaler Studienbetrieb / Frühzeitige Umstellung auf digitale Lehre und Forschung zahlt sich jetzt aus

Mit dem soeben gestarteten Sommersemester 2021 muss die Lehre an Thüringer Hochschulen auch im dritten Semester in einer Mischung aus Digital- und Präsenzunterricht stattfinden. „Die frühzeitige finanzielle Unterstützung von digitaler Lehre und Forschung bereits vor der Corona-Pandemie zahlt sich jetzt aus“, betont Wissenschaftsminister Wolfgang Tiefensee. Grundlage dafür ist die „Thüringer Strategie zur Digitalisierung im Hochschulbereich“, die 2017 erstmals vorgelegt wurde. Mit der aktuell beschlossenen Fortschreibung der Strategie stellt das Thüringer Wissenschaftsministerium bis 2025 mehr als 32,5 Millionen Euro für die Digitalisierung an den Hochschulen bereit. Forschung, Lehre und Verwaltung sollen so stärker auf digitale Verfahren, Infrastrukturen und Prozesse umgestellt werden.

„Was anfangs von vielen als Förderung einer ‚avantgardistischen‘ digitalen Lehre angesehen wurde, hat sich inzwischen als wichtige Unterstützung für den akademischen Regelbetrieb erwiesen“, so der Minister. „Mit der Corona-Pandemie hat die Strategie zusätzliche Bedeutung und Breitenwirkung erfahren.“ Auch dank dieser frühen Aktivitäten hätten die Hochschulen im vergangenen Jahr die Umstellung auf ein überwiegend digitales Lehrangebot innerhalb kürzester Zeit gut gemeistert. Alle zehn Thüringer Hochschulen bieten digitale Lehre und Prüfungen an, soweit diese durch digitale Formate ersetzt werden können. Präsenzveranstaltungen finden unter Auflage strenger Hygienevorschriften bei praktischen Themen wie etwa Labortätigkeiten, künstlerischer Ausbildungsabschnitten und Prüfungen statt. Während zum Beispiel an der Hochschule für Musik in Weimar der künstlerische Unterricht fast zwangsläufig in Präsenzform erfolgen muss, finden an der Friedrich-Schiller-Universität Jena viele Lehrveranstaltungen ausschließlich digital statt.

Vor diesem Hintergrund kritisierte Tiefensee die derzeit auf Bundesebene diskutierten Regelungen zur Novellierung des Infektionsschutzgesetzes: Die Hochschulen hätten bewiesen, dass zumindest punktuell Präsenzveranstaltungen verantwortlich und unter Einhaltung aller notwendigen Hygienevorschriften durchgeführt werden können. „Diese Möglichkeit ist für ein vollwertiges Studium unabdingbar. Ein pauschales Verbot jeglicher Präsenzformate an den Hochschulen ab einem Inzidenzwert von 165 halte ich für falsch – ebenso die geforderte Umstellung auf ‚Wechselunterricht‘.“ Ein solches Modell lasse sich auf die Hochschulen überhaupt nicht anwenden, da der akademische Betrieb nicht in Klassenverbänden stattfinde. Tiefensees Forderung daher: „Minimale Praxisangebote wie Labortätigkeiten, Praktika, Übungen, Prüfungen, der Bibliothekszugang oder Angebote für Erstsemester und Absolventen müssen von einer Untersagung im Infektionsschutzgesetz ausgenommen werden. Alles andere würde den Studienerfolg einer erheblichen Zahl von Studierenden massiv gefährden.“ Leider sei sein entsprechender Vorstoß bei den Bundestagsabgeordneten bisher noch nicht auf offene Ohren gestoßen, bedauerte der Thüringer Wissenschaftsminister.

Die Thüringer Digitalstrategie für die Hochschulen umfasst insgesamt sieben Handlungsfelder, die konkrete Maßnahmen etwa für die digitale Lehre und Forschung, digitale Qualifizierung, digitale Infrastrukturen für Lehre und Forschung sowie in der Hochschulverwaltung umfassen. Dazu zählen u.a.:

  • der Ausbau und die Institutionalisierung des eTeach-Netzwerks, das die Hochschulen zu Digitalisierungsprojekten in der Lehre berät;
  • die Einrichtung von insgesamt 25 Digitalisierungsprofessuren in unterschiedlichen Fachbereichen;
  • die Fortführung des Förderprogramms für „Innovationen in der digitalen Hochschullehre“;
  • verschiedene Projekte zur Vermittlung digitaler Kompetenzen in der Lehrerausbildung;
  • die Verstetigung der Open-Access-Förderung und die Einrichtung eines Open-Access-Publikationsfonds;
  • die Weiterentwicklung des Thüringer Kompetenznetzwerks Forschungsdatenmanagement;
  • die Einführung von Forschungsinformationssystemen an den Universitäten Erfurt, Ilmenau und Weimar;
  • die Schaffung zusätzlicher Stellen im IT- und IT-Recht-Bereich sowie im Netzwerkmanagement der Hochschulen.

Die Digitalstrategie für die Thüringer Hochschulen finden Sie unter: https://wirtschaft.thueringen.de/fileadmin/user_upload/Digitalstrategie-Hochschulen_2021-2025.pdf
Aktuelle Regelungen an den Hochschulen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie finden Sie unter: https://wirtschaft.thueringen.de/wissenschaft/corona


Stephan Krauß
Pressesprecher, Referatsleiter

 

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