COVID-19: Tiefensee für verstärkte eigenständige Schutzmasken-Produktion in Thüringen


Thüringer Firmenverbund entwickelt FFP-zertifizierte Mund-Nasen-Maske mit zusätzlichen antiviralen Eigenschaften – Serienproduktion geplant / Unterstützung des Landes zugesagt

Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee hat sich für einen zügigen Ausbau der Produktion FFP-zertifizierter Mund-Nase-Schutzmasken in Thüringen ausgesprochen. Beim Besuch eines Thüringer Firmenkonsortiums, das derzeit den Prototyp einer solchen Schutzmaske mit zusätzlicher antiviraler und antibakterieller Wirkung entwickelt, sagte Tiefensee heute in Gera die grundsätzliche Unterstützung des Landes bei der Überführung in die Serienproduktion zu. „In der aktuellen Corona-Pandemie gehören solche Schutzmasken zur Standardausrüstung des medizinischen Personals in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen“, so Tiefensee. Allein in Thüringen betreffe das rund 50.000 Beschäftigte. „Angesichts der Schwierigkeiten, den deutschlandweit vorhandenen Bedarf an solchen Masken zu decken, ist Thüringen gut beraten, die Initiative hier ansässiger Firmen aufzugreifen und damit auch die Versorgung von Einrichtungen im Land zu sichern.“

Bei dem Konsortium, das die Schutzmasken entwickelt hat, handelt es sich um die Firmen Thorey Gera Textilveredelung GmbH, Hanns Glass GmbH & Co. KG (Meuselwitz), 3D-Schilling GmbH (Sondershausen/Oberspier), ruhlamat GmbH (Gerstungen) sowie Suchy Textilmaschinenbau GmbH (Korbußen). Diese Unternehmen verfügen als Komponentenhersteller über das notwendige Know-how, um ein technologisch anspruchsvolles Produkt wie eine Schutzmaske nach medizinischem FFP-Standard von der Materialentwicklung bis zur Serienproduktion umzusetzen.

„Der Bedarf an Schutzkleidung und Schutzmasken steigt weltweit sprunghaft an“, sagt Andreas Ludwig, Geschäftsführer der Thorey Gera Textilveredelung GmbH. Sein Unternehmen entwickelt Polyestervliese mit und ohne antivirale Wirkung, die dann im Firmenverbund zu zertifizierten Schutzmasken oder – derzeit schon in Serienproduktion – zu einfachen „Community“-Masken verarbeitet werden. Die Nachfrage entstehe dabei nicht nur in medizinischen Einrichtungen, sondern auch in der Pharma- und Lebensmittelbranche oder in der Automobilindustrie, um dort die Produktion aufrechtzuerhalten. „Die hohe Nachfrage hat inzwischen zu gewissen Engpässen geführt. Hier sehen wir einen schnell wachsenden Markt, den wir mit unserem Thüringer Know-how aus Deutschland heraus bedienen können und wollen.“ Damit könne auch die Abhängigkeit insbesondere von China etwas reduziert werden, das derzeit 90 Prozent der weltweit eingesetzten Schutzmasken produziert.

Unterstützung erhielt der Unternehmensverbund vom Thüringer Clustermanagement (ThCM) bei der LEG Thüringen, das seit März 2020 potentielle Komponenten-Hersteller für corona-relevante Schutzbekleidung und Anbieter der dafür notwendigen Zertifizierungen und Tests identifiziert und zusammenbringt. „Wir bündeln und koordinieren in der Krise Kompetenzen und Projekte“, sagt LEG-Geschäftsführer Andreas Krey. „Dabei können wir zurückgreifen auf die Erfahrungen aus unserer langjährigen Cluster- und Netzwerkarbeit in den verschiedensten Technologie- und Wirtschaftszweigen sowie auf unsere hauseigenen Datenbanken wie beispielsweise die Unternehmens- und Technologie-Datenbank.“

Die erforderlichen Prüfungen zur Zertifizierung der Masken wird das Textilforschungsinstitut Thüringen-Vogtland e.V. (Greiz) vornehmen. Mit seiner „Akkreditierten Prüfstelle“ ist es als eine von bundesweit nur vier geeigneten Prüfstellen für Atemmasken durch die Zentralstelle der Länder für Sicherheitstechnik (ZLS) gelistet. Weitere Entwicklungs- und Prüfpartner sind darüber hinaus die TU Ilmenau sowie die Hautklinik des Universitätsklinikums Jena (UKJ). Derzeit laufen noch die letzten Prüfungen der Vliesstoffe auf antivirale und antibakterielle Wirkung sowie Hautverträglichkeit.

„Sobald diese Tests abgeschlossen sind, wollen wir die Serienproduktion unserer Schutzmasken aufnehmen“, sagt Thorey-Geschäftsführer Ludwig. Wirtschaftsminister Tiefensee signalisiert dafür die grundsätzliche Unterstützung des Landes. „Wer investiert, der kann selbstverständlich wie andere Unternehmen auch die Förderinstrumente des Freistaats in Anspruch nehmen“, so der Minister. Wirtschaftsministerium und Aufbaubank würden den weiteren Prozess eng begleiten. Für denkbar hält der Minister aber auch eine Unterstützung im Rahmen der öffentlichen Beschaffung des Landes. „Dafür werde ich bei meinen Ministerkolleginnen und -kollegen selbstverständlich werben.“
 

Stephan Krauß
Pressesprecher, Referatsleiter

 

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