Tiefensee: Thüringer Wirtschaft kann Ende 2021 wieder Vorkrisenniveau erreichen


Wirtschaftsminister beendet Sommertour 2020: Corona trifft Branchen unterschiedlich stark / Wieder steigende Infektionszahlen bleiben Hauptgefahr für wirtschaftliche Erholung

Viel Schatten, aber auch Licht in der Thüringer Wirtschaft: Das ist das Fazit, das Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee nach seiner Sommertour 2020 zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie heute gezogen hat. „Während die Logistik beispielsweise überwiegend gut durch die Krise kommt, ist der Tourismus nach dem wochenlangen corona-bedingten Stillstand in schwerem Fahrwasser“, sagte Tiefensee. Dies zeigten auch die Ankunfts- und Übernachtungszahlen von Urlaubern, die im ersten Halbjahr jeweils um rund 50 Prozent zurückgegangen seien.  Aktuell würden gerade bei Logistikdienstleistern und Softwareanbietern in erheblichem Umfang Beschäftigte gesucht – etwa beim größten deutschen Medienlogistiker KNV Zeitfracht, der in Erfurt bis zu 150 offene Stellen zu besetzen habe –, während gerade die Hotels und Gaststätten mit Sorge auf die wieder steigenden Corona-Infektionszahlen blickten. „Ein neuer Stillstand wäre für viele touristische Betriebe der Todesstoß“, sagte der Minister. Deshalb sei die unklare Perspektive und die Frage, wie lange sie noch durchhalten müssen, für viele Unternehmen im Moment das Hauptproblem. Auf seiner Tour habe er jedoch deutlich gemacht: Ein neuer totaler Lockdown könne und dürfe nicht mehr stattfinden – „allenfalls wird es lokal und einzelfallbezogen hier und da noch eng begrenzte Eindämmungsmaßnahmen geben“.

Als wichtigste Instrumente hätten sich für viele Firmen während der Krise die Kurzarbeit und flexible Arbeits- und Arbeitszeitregelungen erwiesen, für die dann auch neue digitale Lösungen Voraussetzung gewesen seien. „Die meisten Firmen haben betont, dass diese digitalen Lösungen häufig besser funktioniert hätten als erwartet – und sie deshalb auch nach der Krise zumindest teilweise daran festhalten wollen“, sagte Tiefensee. Auch zu den Zuschussprogrammen des Bundes und des Landes habe es gerade von den kleineren Unternehmen sehr positive Rückmeldungen gegeben. „Die meisten Unternehmen, mit denen ich in den letzten Tagen gesprochen habe, gehen davon aus, dass spätestens Ende kommenden Jahres die Talsohle durchschritten und bei Umsatz und Beschäftigung wieder das Vorkrisenniveau erreicht sein wird“, sagte Tiefensee. „Insgesamt hat sich mein Eindruck bestätigt, dass uns der Fall in eine wirklich tiefe, existentielle Wirtschaftskrise erspart bleiben wird.“ Natürlich hänge viel vom weiteren Infektionsgeschehen in Deutschland ab.

Der Wirtschaftsminister hat auf seiner diesjährigen Sommertour auf insgesamt 21 Stationen Thüringer Unternehmen und Forschungseinrichtungen besucht. Dabei ging es insbesondere um die Themen Arbeit, Ausbildung und Digitalisierung, vor allem in den Branchen Logistik, Gesundheitswirtschaft, IT, Zulieferindustrie und Tourismus. Zentrales Thema waren die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Wirtschaft und Wissenschaft im Land – insbesondere im Hinblick auf die Beschäftigung und die Organisation von Arbeitsprozessen. In gewisser Weise habe die Krise auch einen kleinen „Regionalisierungsschub“ ausgelöst, sagte Tiefensee: „Es gibt viele Ideen für neue Innovationsprojekte oder die engere Zusammenarbeit zwischen Unternehmen hier vor Ort. Viele Firmen, die auf der Suche nach Kooperationspartnern oder Zulieferern sind, schauen sich neuerdings wieder verstärkt in der eigenen Region um.“


Stephan Krauß
Pressesprecher, Referatsleiter

 

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