Wirtschaftsministerium weitet Beratungsangebot für Thüringer Zulieferbranche aus


„Transformationslotsen“ sollen Firmen bei tech-nologischem Wandel unterstützen / Tiefensee: Strukturwandel aktiv gestalten

Das Wirtschaftsministerium beabsichtigt, künftig das Beratungsangebot für die vom Strukturwandel betroffene Automobilbranche zu veestärken. Mehrere „Transformationslotsen“ sollen die Zulieferunternehmen bei der Transformation infolge der Umstellung vom Verbrennungsmotor auf alternative Antriebsarten unterstützen. Das hat Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee heute in Erfurt angekündigt. Die Bereitstellung zusätzlicher Mittel aus dem Investitionspakt des Landes vorausgesetzt, werden die „Transformationslotsen“ bei der „Koordinierungsstelle Transformation“ angesiedelt. Zur Trägerstruktur laufen gegenwärtig Gespräche mit der LEG Thüringen sowie dem Branchencluster automotive thueringen e.V. Die Erweiterung der Koordinierungsstelle ist ein Vorschlag aus einem Grundsatzpapier zur Fortschreibung der „Automotive Agenda Thüringen“, das das Wirtschaftsministerium Mitte September vorgelegt hatte.

„Die Unsicherheit über die Folgen des Strukturwandels ist gerade bei den Zulieferfirmen groß“, sagte Tiefensee, der in den letzten Wochen im Rahmen von Firmenbesuchen und Veranstaltungen viele Gespräche mit Unternehmen der Branche geführt hat. „Das führt zu einem wachsenden Beratungsbedarf, dem wir mit den Transformationslotsen gerecht werden wollen.“ Er appellierte an die Unternehmen, aktiv und frühzeitig auf die Unterstützungsstrukturen des Landes zuzugreifen. Die Transformationslotsen sollen über Branchenentwicklungen, Prozesse und Technologien informieren, zu Förderangeboten des Landes beraten, bei der Organisation von Qualifizierungs- und Weiterbildungsmaßnahmen unterstützen, Veranstaltungen und Netzwerkformate organisieren und sind darüber hinaus unmittelbarer Ansprechpartner für alle Belange der Unternehmen. Zudem solle rund um die Transferstelle als Trägereinrichtung ein Beraterpool für vertiefte Beratungen der Unternehmen sowie ein breites Netzwerk aus allen relevanten Partnern aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft aufgebaut werden.

Neben dem Ausbau der „Koordinierungsstelle Transformation“ schlägt das Grundsatzpapier weitere Maßnahmen zur Unterstützung der Zulieferbranche vor. Dazu gehört die Bereitstellung zusätzlicher Mittel für eine ergänzende Finanzierung von Maßnahmen des Bundes (GRW-Sonderinvestitionsprogramm), die Unterstützung von Thüringer Konsortien bei der Antragstellung im neuen 2-Milliarden-Euro-Programm des Bundes für „Zukunftsinvestitionen der Zulieferindustrie“, die Anpassung der Investitionsförderung sowie die Prüfung zusätzlicher Maßnahmen zur Liquiditätssicherung der Zulieferbranche, etwa durch Aufstockung des Konsolidierungsfonds oder die Öffnung des Thüringer Zukunftsfonds.

Der Strukturwandel in der Automobilindustrie sei bereits in vollem Gange – „die Frage ist lediglich, ob wir das tatenlos hinnehmen oder versuchen wollen, diesen Prozess aktiv mitzugestalten“, sagte Tiefensee. Angesichts der globalen Transformationsprozesse erwartet Tiefensee in den kommenden Jahren eine weitere Zuspitzung der Krise in der Automobil- und Automobilzulieferindustrie. „Die existentielle Schieflage vieler Automobilzulieferer in Deutschland wird sich in den kommenden Monaten weiter verschärfen“, so der Minister. Der momentane „Transformationsdruck“ auf die Branche werde durch die Corona-Pandemie noch weiter verschärft. So sei bereits im Jahr 2019 der Absatz an Fahrzeugen weltweit von 83 Millionen (2018) auf unter 80 Millionen gesunken. Für 2020 prognostiziert der Branchenverband VDA nur noch 67 Millionen Einheiten – ein Minus von 16 Prozent. In Deutschland wird sogar ein um 20 Prozent niedrigerer Pkw-Absatz erwartet. „Das ist aus wirtschaftlicher Perspektive dramatisch und wird nicht spurlos an der Branche vorbeigehen“, so der Minister.

Grund, in Alarmismus zu verfallen, sieht Tiefensee dennoch nicht. „Ein Flächenbrand ist in der Zulieferbranche derzeit nicht zu befürchten“, so der Minister. Mehrere Studien zeigten, dass Thüringen trotz des laufenden Strukturwandels unter dem Strich mit einem leichten Beschäftigungsaufbau rechnen könne, weil Produktsegmente wie „Karosserie/Exterieur“, „Innenraum“ und „Elektrik/Elektronik“ weiter wachsen werden. Dafür seien allerdings weiter gezielte Hilfen für die Branche notwendig. „Auch für Thüringer Unternehmen stellen Bund und Land deshalb erhebliche finanzielle und strukturelle Hilfen bereit, um den Transformationsprozess der Zulieferindustrie abzufedern“, verweist Tiefensee auf eine Vielzahl laufender Aktivitäten.

Diese umfassen neben der Investitions- und Technologieförderung z.B. Beteiligungen und Darlehensprogramme, das Kurzarbeitergeld oder die Corona-Überbrückungshilfe. Allein aus der GRW-Förderung seien die Thüringer Automobilzulieferer seit 2015 mit rund 36 Millionen Euro unterstützt und damit Investitionen von gut 370 Millionen Euro angestoßen sowie 3.500 Arbeitsplätze gesichert oder geschaffen worden. Aus der Technologie- und Forschungsförderung stellte das Wirtschaftsministerium im selben Zeitraum knapp 100 Millionen Euro für insgesamt 96 Entwicklungsvorhaben von Kfz-Unternehmen bereit.

Unabhängig davon ist das Land bereits seit Jahren in engem Austausch mit der Branche und setzt eine eng mit den Akteuren abgestimmte Strategie zur Bewältigung des Strukturwandels – die „Automotive Agenda Thüringen“ – um, die regelmäßig ergänzt und fortgeschrieben wird. Ganz aktuell hat das Wirtschaftsministerium ein Grundsatzpapier zur Automobilindustrie vorgelegt, das auch Vorschläge für eine Ergänzung und Ausweitung der laufenden Unterstützungsmaßnahmen enthält. Das Papier findet sich unter auf den Internetseiten des Wirtschaftsministeriums unter https://wirtschaft.thueringen.de/fileadmin/user_upload/Grundsatzpapier_zur_Fortschreibung_der_Automotive_Agenda_Thueringen.pdf.


Stephan Krauß
Pressesprecher, Referatsleiter

 

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