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Boos-John: Ernte 2025 mit überdurchschnittlichen Erträgen


Spitzenergebnis bei Getreide, differenzierte Situation beim Raps, gute Ertragserwartungen bei Kartoffeln und Mais / Landwirtschaftsministerin kündigt Initiative Thüringens für Risikoausgleichsrücklage als Schutz vor Extremwettersituationen an / Klare Positionierung der Herbst-Agrarministerkonferenz zu künftiger Gemeinsamer EU-Agrarpolitik erwartet

Die Getreide-Ernte in Thüringen hat 2025 mit einem Spitzenergebnis abgeschlossen. „Die diesjährige Erntemenge bei Weizen, Gerste & Co. ist um 280.000 auf 2,6 Millionen Tonnen gestiegen“, sagte Landwirtschaftsministerin Colette Boos-John heute bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Thüringer Bauernverband (TBV) auf dem Gelände der Erzeuger-Genossenschaft Neumark eG in Berlstedt (Weimarer Land). „Damit liegt das Ernteergebnis bei Getreide deutlich über dem Schnitt der Vorjahre.“ Der Zuwachs gegenüber 2024 beträgt gut zwölf Prozent. Problematisch blieben allerdings die Getreidepreise, die zu niedrig seien, um steigende Produktionskosten aufzufangen. Dadurch erhöhe sich der wirtschaftliche Druck auf die Betriebe, gerade in Konkurrenz zu Weizenproduzenten aus Frankreich, Polen oder dem Baltikum. Zu den wichtigsten Getreidearten, die in Thüringen angebaut werden, zählen Winterweizen, Winter- und Sommergerste, Roggen, Hartweizen, Triticale und Hafer.

Differenzierter als beim Getreide stelle sich die Situation beim Winterraps dar, sagte die Landwirtschaftsministerin weiter. „Auch hier sind Anbaufläche und Ertrag deutlich gestiegen“, so Boos-John. Bei 2.100 Hektar größerer Rapsanbaufläche lagen die Erntemengen bei gut 340.000 Tonnen – ein Plus von 41.000 Tonnen oder 13,6 Prozent. Allerdings bleibt der Durchschnittsertrag mit 35 Dezitonnen je Hektar deutlich hinter den Erwartungen zurück. „Der Negativtrend der letzten Jahre konnte an dieser Stelle nicht durchbrochen werden“, so die Ministerin – immerhin sorgen die höheren Ernteerträge in diesem Jahr für einen gewissen Ausgleich.

Weizen und Raps zählen wie Kartoffeln und Mais zu den Kulturen, die für die alljährliche „Besondere Ernte- und Qualitätsermittlung“ (BEE) des Bundesamts für Statistik erfasst werden. Für die beiden letztgenannten Kulturen, bei denen die Ernte noch aussteht, liegen aktuell vor allem Hochrechnungen vor. Demnach liegen die Ertragserwartungen in beiden Fällen deutlich über dem Schnitt der Vorjahre. Zudem hat sich die Thüringer Anbaufläche für Kartoffeln nach jahrelangem Rückgang in diesem Jahr erstmals wieder erhöht – um 480 auf insgesamt 1.718 Hektar, was einem Zuwachs von 38 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Damit habe es hier die längst überfällige „kleine Trendwende“ gegeben, so die Ministerin.

Mit Blick auf die Herbst-Agrarministerkonferenz vom 24. bis 26. September in Heidelberg kündigte Boos-John eine Initiative Thüringens zur Einführung einer steuerfreien Risikoausgleichsrücklage an. „Landwirtschaft hängt vom Wetter ab, und das ist leider wechselhaft und nicht zu beeinflussen.“ Auch in diesem Erntejahr habe sich die Tendenz zu kleinräumigen Extremwetterereignissen mit Starkregen und Hagel und einer regional sehr unterschiedlichen Niederschlagsverteilung fortgesetzt. „Solche Extremsituationen können existenzbedrohende Auswirkungen auf landwirtschaftliche Betriebe haben“, sagte die Ministerin. „Mit der Ausgleichsrücklage wollen wir deshalb ein Instrument schaffen, um solche Risiken besser im Griff zu behalten.“ Die Landwirte bei ihrem betrieblichen Risikomanagement zu unterstützen, sei besser als staatliche Nothilfen.

Schwerpunkt der Herbst-Agrarministerkonferenz werde allerdings eine erste Positionierung zu den Vorschlägen der EU-Kommission für die Gemeinsame Agrarpolitik ab 2026 sein, blickte die Ministerin voraus. Nach den Kommissionsvorschlägen soll das Budget der GAP von 387 auf 300 Millionen Euro gekürzt, die Direktzahlungen an die Landwirtschaftsbetriebe auf 100.000 Euro gedeckelt und die Förderung insgesamt degressiv gestaltet werden. „Damit würden die historisch gewachsenen landwirtschaftlichen Betriebsstrukturen in Ostdeutschland massiv benachteiligt“, sagte Boos-John. „Das ist keinesfalls zu akzeptieren.“ Ziel Thüringens bleibe eine auskömmliche Agrarförderung unabhängig von der Betriebsgröße – „ein Hektar ist ein Hektar, egal wo und von wem er bewirtschaftet wird.“

Stephan Krauß
Pressesprecher
 

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