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Boos-John: Deutschland braucht unabhängige und wettbewerbsfähige Landwirtschaft


„Wert einer sicheren Versorgung mit Lebensmitteln stärker in den Fokus rücken“ / Thüringen fördert Landwirtschaft mit rund 290 Millionen Euro pro Jahr / Freistaat mit 74 Ausstellern auf Grüner Woche vertreten

Zum Auftakt der Grünen Woche in Berlin hat Thüringens Landwirtschaftsministerin Colette Boos-John eine nachhaltige Unterstützung und stabile Rahmenbedingungen für die deutsche Landwirtschaft angemahnt. Die Grüne Woche müsse Anlass sein, den Wert einer unabhängigen Lebensmittelproduktion stärker in den Fokus der Gesellschaft zu rücken, sagte die Ministerin: „Eine stabile und zuverlässige Versorgung mit Lebensmitteln ist kein Selbstläufer. Landwirtschaft ist systemrelevant, steht aber gerade in diesem Jahr ganz im Zeichen geopolitischer Unsicherheiten. Um Abhängigkeiten vom Ausland zu vermeiden, brauchen wir auch weiterhin eigenständige und wettbewerbsfähige Agrarstrukturen. Dafür muss die Politik gemeinsam mit allen Akteuren die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen.“

Allein der Freistaat Thüringen stellt in diesem Jahr rund 290 Millionen Euro aus Landes-, Bundes- und EU-Mitteln zur Unterstützung der Landwirtschaft bereit. Die entsprechenden Mittel sind im Haushalt des Thüringer Landwirtschaftsministeriums eingestellt. Die Gelder fließen beispielsweise in die Investitionsförderung landwirtschaftlicher Unternehmen, verbesserte Haltungs- und Auslaufbedingungen für Nutztiere, Maßnahmen des landwirtschaftlichen Landschafts- und Naturschutzes, den ökologischen Landbau oder die Vermarktung landwirtschaftlicher Erzeugnisse. 

Aktuell sei die Situation vieler landwirtschaftlicher Betriebe in Deutschland allerdings angespannt, sagte die Ministerin weiter. „Der Motor läuft gerade nicht rund. Viele Landwirtschaftsunternehmen kämpfen mit gesunkenen Erzeugerpreisen bei gleichzeitig steigenden Produktionskosten, etwa für Futter- und Düngemittel oder Energie.“ Hinzu komme, dass auch bei vielen politischen Projekten derzeit „die Säge klemmt“, so die Ministerin weiter. Sorgen bereite ihr insbesondere die Zukunft der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik (GAP) ab 2028, aus der auch in Thüringen wichtige Förderprogramme für Landwirtschaft und ländlichen Raum finanziert werden. Hier seien nach derzeitigen Plänen der EU-Kommission Kürzungen von gut 90 Milliarden Euro jährlich zu befürchten. Zudem stünden neue Umwelt-, Tierwohl- und Kennzeichnungsauflagen ins Haus, die – je nach Ausgestaltung – die Betriebsbilanzen zusätzlich belasten könnten. Weiterhin herrsche derzeit Rechtsunsicherheit bei der Düngeverordnung, die nach einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts von Bund überarbeitet werden muss. „Hier brauchen wir Klarheit, bevor im Februar 2026 die Düngesaison wieder beginnt“, so Boos-John.

Diese und weitere Themen spielten in diesem Jahr auf der Grünen Woche mit ihren rund 300 Kongressen, Foren und Veranstaltungen selbstverständlich eine zentrale Rolle, sagte die Ministerin. So findet am Sonntag ein Treffen der Ost-Agrarminister statt; der Landwirtschaftsausschuss des Thüringer Landtags wird die Messe besuchen; und zu dem vom Bundeslandwirtschaftsministerium veranstalteten „Global Forum for Food and Agriculture“ (GFFA) werden in diesem Jahr wieder mehr als 60 Agrarministerinnen und Agrarminister aus Europa und der Welt erwartet.

In erster Linie aber bleibt die Grüne Woche die weltgrößte Verbrauchermesse für Ernährung, Landwirtschaft und ländlichen Tourismus, zu der in diesem Jahr mehr als 300.000 Besucherinnen und Besucher aus aller Welt erwartet werden. „Dieses Umfeld wird Thüringen nutzen, um sich wieder als moderner Agrarstandort und erfolgreicher Lebensmittelproduzent zu präsentieren“, sagte Boos-John. Insgesamt sind in diesem Jahr 74 Aussteller auf dem knapp 1.900 Quadratmeter großen Thüringer Gemeinschaftsstand vertreten, darunter landwirtschaftliche Betriebe, Direktvermarkter, Verbände, Vereine, Landkreise und Regionen. Zwölf Aussteller konnten neu gewonnen werden. Die Thüringen-Präsentation befindet sich in exponierter Lage direkt am Beginn der „Tour deutscher Regionen“ (Halle 20, am Eingang Nord).


Stephan Krauß
Pressesprecher
 

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