Thüringens Wirtschaftsministerin Colette Boos-John hat heute in Arnstadt einen Förderbescheid über gut 900.000 Euro aus EU- und Landesmitteln an die Thyssenkrupp Nucera HTE GmbH übergeben. Das Geld fließt in die Entwicklung einer neuen, leistungsfähigeren Generation von Hochtemperaturelektrolyse-Stacks. Stacks sind die zentrale Komponente bei der Herstellung von Wasserstoff. Neben Thyssenkrupp Nucera sind auch die TU Ilmenau und die Firmen Premetec Automation aus Suhl GmbH und Aurolia Technologies GmbH aus Meiningen an dem Verbundvorhaben beteiligt. Die Gesamtkosten dafür belaufen sich auf knapp 4,6 Millionen Euro, das Land stellt insgesamt fast 2,5 Millionen Euro Förderung (EU- und Landesmittel) bereit.
Die Übergabe des Förderbescheids an Thyssenkrupp Nucera erfolgte im Wasserstoffanwendungszentrum (WaTTh) des Fraunhofer-Instituts für Keramische Technologien und Systeme (IKTS) in Arnstadt. Wirtschaftsministerin Boos-John informierte sich hier über eine 8-Megawatt-Pilotanlage zur Stackherstellung, die das Unternehmen gemeinsam mit Fraunhofer betreibt. Die hier produzierten Stacks beruhen auf einer am IKTS entwickelten Technologie für die Hochtemperatur-Elektrolyse mit Festoxid-Zellen („Solid Oxide Electrolyzer Cell“, SOEC), die etwa 20 bis 30 Prozent effizienter ist als andere Technologien. Auf der Pilotanlage können diese Stacks erstmals in industrieller Serienfertigung hergestellt werden.
„Mit der Zusammenarbeit von Thyssenkrupp Nucera und Fraunhofer-IKTS baut Thüringen seine Position im Bereich industrieller Wasserstofftechnologien weiter aus“, sagte Boos-John. Die gemeinsam entwickelte Elektrolyse-Technologie ermögliche eine besonders energieeffiziente Herstellung großer Mengen von grünem Wasserstoff. „Mit der Förderung unterstützen wir das Ziel, den nächsten Schritt zu gehen und die technische Reife und Marktfähigkeit dieser Technologie zu erhöhen. Das Zusammenspiel von Forschung, regionalem Mittelstand und international tätigen Industrieunternehmen ist dafür der Schlüssel. Auch wenn der Markt für grünen Wasserstoff zuletzt deutlich langsamer gewachsen ist als erwartet, hat diese Technologie eine gute Zukunft. Wir setzen darauf, dass nach der Pilotanlage auch eine künftige Großserienfertigung in Thüringen angesiedelt wird.“ Das Land werde ein solches Vorhaben im Rahmen seiner Möglichkeiten unterstützen, etwa bei der Standortsuche, Fachkräftegewinnung oder Genehmigungsverfahren.
Bereits im Jahr 2021 war das am Standort Arnstadt bestehende Batterie-Innovations- und Technologie-Center (BITC) des Fraunhofer IKTS um das Wasserstoffanwendungszentrum (WaTTh) erweitert worden, das sich u. a. mit automatisierter Stack-Montage, dem dafür notwendigen Maschinen- und Produktionsdesign, aber auch der Logistik und Datenverarbeitung befasst. Das Land hat die Gründung des BITC mit rund 15, die Erweiterung um das WaTTh mit weiteren gut zehn Millionen Euro gefördert.
Thyssenkrupp Nucera ist ein börsennotiertes Anlagenbauunternehmen mit Schwerpunkt auf elektrochemischen Industrieprozessen. So ist das Unternehmen in Entwicklung, Bau und Dienstleistungen rund um Elektrolyse-Anlagen aktiv. Thyssenkrupp Nucera war im Jahr 1960 aus verschiedenen Tochterunternehmen des Thyssenkrupp-Konzerns hervorgegangen und firmierte bis 2022 unter dem Namen Thyssenkrupp Uhde Chlorine Engineers.
Stephan Krauß
Pressesprecher